Prototyping: Wie man Ideen vor der Umsetzung testet

By July 15, 2020September 1st, 2020how to

Mit Prototypen können Ideen ressourcen- und geldsparend schon vor der Fertigstellung getestet werden. Dadurch lassen sich Annahmen zu einem Produkt oder einer Dienstleistung vor der eigentlichen Entwicklung testen. Ob Kunden ein solches Produkt überhaupt kaufen würden (value) und inwieweit sie in der Lage wären, es zu benutzen (usability), lässt sich damit üblicherweise sehr früh klären. Die Frage nach der Umsetzbarkeit im Hinblick auf geschäftliche Faktoren wie z.B. bestehende Partnerschaften, laufende Verträge oder etablierte Vertriebskanäle (business viability), schließt sich unmittelbar an. Erst zuletzt rückt die technische Machbarkeit auf Basis  vorhandener Technologien und Ressourcen in den Vordergrund (feasibility).[1]

Ein Prototyp ist dabei nicht mit einem MVP, kurz für Minimal Viable Product, zu verwechseln. Während ein Prototyp eine Idee simuliert und somit nicht zwingend “funktionieren” muss, ist ein MVP eine reduzierte Version des Endproduktes, das auf die Kernfunktionalitäten beschränkt ist. Bei einem MVP steht die Funktionalität eines Produktes im Vordergrund, während ein Prototyp bereits versucht, die zugrundeliegende Idee zu testen.[2] Deswegen können Prototypen aus jeglichem Material bestehen – vom Papier bis zur Simulation eines physischen Produkts aus dem 3D-Drucker.[3]

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Quelle YouTube: Der Prototyp aus Papier

Im Folgenden haben wir eine Auswahl an möglichen Prototypen zusammengestellt, die als Inspiration dienen sollen, Ideen in einem frühen Stadium möglichst nah am Kunden zu testen.

Landing Pages

Eine Landingpage ist eine Webseite, die darauf abzielt, ein Produkt oder eine Dienstleistung vorzustellen und dafür zu werben. Ziel ist es, Besucher zu einer Interaktion – üblicherweise das Hinterlassen von Kontaktdaten – zu bewegen. Dies ermöglicht nicht nur erste Leads zu generieren, sondern gleichzeitig auch messbar zu machen, wie groß das Interesse an dem vorgestellten Produkt oder Service tatsächlich ist.[4]

Erklärvideos

Ein Erklärvideo beschreibt eine Idee einfach und auf ihre Hauptmerkmale reduziert. Dabei muss das Produkt selbst noch nicht existieren. Animationen und Bildbearbeitungswerkzeuge helfen, die Idee zu beschreiben. Wie groß die Wirkung eines Erklärvideos sein kann, zeigt das Beispiel von Dropbox, in dem Gründer Drew Houston den Zuschauer durch das noch unfertige Produkt führt. Innerhalb weniger Tage stieg die Anzahl an Registrierungen für die Warteliste zum Testen der ersten Betaversion von 5000 auf über 75000.[5]

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Quelle YouTube: Dropbox Demo

Mockups

Als logische Weiterentwicklung eines Prototypen aus Papier ist eine der häufigsten Formen der nicht-funktionale, aber dafür real anmutende Prototyp (high fidelity prototypes). Hierbei wird die Interaktion eines Kunden mit einem Produkt als User Journey mit Hilfe von Mockup Tools, wie z.B. Figma, Invision oder auch nur Keynote, simuliert. 

Guerilla Testing

Eine Idee kann auch bereits mit seiner kurzen Vorstellung als Anzeige getestet werden. Ziel ist es, potentielle Kunden über indirekte Werbekanäle, wie z.B. über Facebook oder Google, oder auch über direkte, wie E-Mail, LinkedIn oder auf der Straße[6], zu erreichen. Dabei wird der Anschein erweckt, dass ein fertiges Produkt existiere. Zeigt die Zielperson Interesse, verweist man auf eine Landingpage o.ä., auf der sich der Interessent umfassender informieren und ggf. in eine Warteliste eintragen kann.

Wie man am Besten vorgeht

Die Entwicklung neuer Produkte ist in der Regel ein langer Prozess, der viel Planungs- und Konzeptionsarbeit erfordert. Um diese auf wenige, dafür aber klar definierte Teilaspekte runterzubrechen, hat Google Ventures die sogenannten Design Sprints entworfen.[7] Ziel ist es, sich in einer Woche mit nur einem kritischen Teilproblem bzw. einer Frage zu befassen, die durch das Erstellen eines Prototypen und Test am Kunden innerhalb einer Woche gelöst wird. Jeder Sprint vereint dabei Mitarbeiter aus verschiedenen Abteilungen, beschränkt sich allerdings auf die Anzahl von maximal sieben Teilnehmern. 

Und so ist ein Sprint aufgebaut: Montags wird ein Problem identifiziert und beschriebe, das im Fokus der Woche stehen soll. Am Dienstag skizziert jeder seine individuelle Lösung für das Problem. Am Mittwoch entscheidet die Gruppe, welche Entwürfe oder Teilaspekte einer Idee am überzeugendsten sind. Diese wird als Storyboard festgehalten. Am Donnerstag trägt jeder Teilnehmer zur Entwicklung eines realistischen, jedoch als Fassade angelegten Prototypen bei. Am Freitag wird dieser dann mit fünf Zielkunden verprobt.

Im Kern ermöglichen Design-Sprints die Lösung von Problemen in der Produktentwicklung mit dem Ziel, Nutzer-Feedback frühzeitig in den Prozess einzubeziehen. Sie dienen als Leitfaden für ein gezieltes Prototyping in kürzester Zeit, das es Teams ermöglicht, Ideen schnell und kosteneffektiv zu testen und gegebenenfalls zu scheitern, bevor sie in die Produktentwicklung investieren. Und letztlich sind sie auch ein wertvolles Werkzeug für die Zusammenarbeit im Team.[8]

WYTE ist ein Unternehmen aus Entrepreneuren, die den Startup-Gedanken in Unternehmen tragen und digitale Innovationen vorantreiben. Wir nennen das Startup-as-a-Service. Durch die Externalisierung von Validierung und Implementierung ermöglichen wir es unseren Kunden, Innovation unabhängig vom Tagesgeschäft voranzutreiben. Dabei sind wir Experten für Frühphasen von Projekten, mit den wir den digitalen Wandel vorantreiben und neue Potentiale aufmachen. Wir testen Chancen mit konkreten Ideen, validieren sie mit echten Kunden und entwickeln sie iterativ vom Prototypen zum Produkt.